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Vitamin Ratgeber
Küchenwissen, Ratgeber

Paprika und Kartoffel: Was Vitamin C in der Küche aushält

Rote Paprikaschoten mit grünen Stielen

Eine rote Paprika und eine Kartoffel liegen nebeneinander auf dem Schneidebrett. Die eine knackt beim Anschneiden und duftet nach Frische, die andere wirkt unscheinbar und erdig. Beide enthalten Vitamin C, und beide zeigen, wie verschieden dieses Vitamin den Weg vom Beet auf den Teller übersteht. Die Paprika bringt schon roh viel Vitamin C mit. Wie viel davon beim Essen ankommt, hängt unter anderem von der Lagerung und der Garzeit ab. Die Kartoffel bringt weniger mit, taucht aber so regelmäßig auf dem Speiseplan auf, dass sie trotzdem eine Rolle spielt. Wer verstehen will, was am Ende wirklich auf der Gabel landet, muss beiden Gemüsen beim Kochen zusehen.

Warum Ascorbinsäure so empfindlich ist

Vitamin C, chemisch Ascorbinsäure, löst sich gut in Wasser und reagiert bereitwillig mit Sauerstoff. Hitze, Licht und Spuren von Metallen beschleunigen den Abbau, ebenso pflanzeneigene Enzyme. In der intakten Zelle sind diese Enzyme räumlich getrennt von ihrem Substrat. Sobald Sie das Messer ansetzen, wird diese Ordnung durchbrochen: Zellsaft, Luft und Enzyme vermischen sich, und ein Teil der Ascorbinsäure wird zu Dehydroascorbinsäure umgewandelt, die zunächst noch Vitaminwirkung besitzt. Erst beim weiteren Abbau geht diese Wirkung verloren. Das Vitamin verschwindet nicht schlagartig, aber jede zusätzliche Minute mit offener Schnittfläche, jede zusätzliche Wärmestufe und jede Wasserschicht, in die es hinausdiffundieren kann, kostet etwas.

Paprika: grob geschnitten, fein gehackt, geröstet

Stellen Sie sich zwei Paprikasalate vor. Im ersten schneiden Sie die Schote kurz vor dem Essen in breite Streifen. Im zweiten würfeln Sie sie klein, mischen sie mit Essig und Salz und lassen die Schüssel bis zum nächsten Tag im Kühlschrank stehen. Beide Salate schmecken, doch der zweite hatte viel mehr Schnittfläche, viel mehr Zeit und dazu eine Marinade, die Zellsaft herauszieht. Wenn es Ihnen um Vitamin C geht, ist der erste die bessere Wahl. Beim Rösten im Ofen kehrt sich das Bild um: Die Schote wird heiß und trocken gegart, die Haut löst sich leichter, das Fruchtfleisch wird weich und süß. Dabei geht Vitamin C verloren, dafür gewinnen Sie Aroma und eine bekömmlichere Textur. Das ist kein Fehler, sondern eine Abwägung. Wer die geröstete Paprika zusätzlich lange in Öl einlegt, ändert am Vitamin C nichts mehr zum Besseren, aber am Genuss durchaus.

Auch die Farbe spielt eine Rolle, allerdings anders, als man vermuten könnte. Eine grüne Schote ist in der Regel unreif geerntet, eine rote hat länger an der Pflanze gereift. Mit der Reife verändern sich Zucker, Farbstoffe und auch der Vitamingehalt, und zwar je nach Sorte unterschiedlich stark. Eine pauschale Aussage wie „Rot enthält immer mehr“ lässt sich deshalb nicht auf jedes Beet übertragen.

Kartoffel: Menge schlägt Konzentration

Pro Gramm enthält die Kartoffel deutlich weniger Vitamin C als die Paprika. Trotzdem hat sie in der europäischen Ernährungsgeschichte eine eigene Bedeutung, weil sie in großen Portionen und über viele Monate gegessen wurde. Entscheidend ist dann weniger der Spitzenwert in der Tabelle als die Frage, was nach Lagerung und Zubereitung noch übrig ist.

Vergleichen Sie wieder zwei Wege. Bei der ersten Variante garen Sie ungeschälte Kartoffeln in wenig Wasser oder im Dampf und pellen sie erst danach. Die Schale wirkt wie eine Verpackung: Sie begrenzt die freie Schnittfläche und kann dadurch die Verluste ins Kochwasser verringern. Bei der zweiten Variante schälen Sie die Knollen, schneiden sie in kleine Stücke, kochen sie lange in reichlich Wasser, gießen ab, stampfen sie zu Püree und halten dieses eine Stunde warm. Hier kommen alle ungünstigen Faktoren zusammen: große Oberfläche, viel Wasser, lange Hitze, Luftkontakt beim Stampfen und die Warmhaltezeit. Der Unterschied im Vitamin C zwischen beiden Tellern kann erheblich sein, auch wenn sie auf den ersten Blick beide „Kartoffeln“ heißen.

Hinzu kommt die Lagerung. Frisch geerntete Frühkartoffeln und Knollen, die den Winter im Keller verbracht haben, sind nicht gleichwertig. Im Lager baut sich Vitamin C allmählich ab. Das ist kein Grund, Lagerkartoffeln zu meiden, es erklärt aber, warum ein einzelner Tabellenwert nur eine Momentaufnahme sein kann.

Was eine Nährwerttabelle verrät und was nicht

Nährwerttabellen sind unverzichtbar, doch sie beantworten nicht jede Frage. Sie nennen meist einen Durchschnittswert für das rohe, essbare Lebensmittel. Daraus können Sie eine grobe Rangfolge ableiten: Paprika liegt bei Vitamin C weit vor Kartoffel, und beide liegen vor vielen anderen Gemüsen. Sie können auch erkennen, dass Beeren, Kohlsorten und Zitrusfrüchte ebenfalls zu den Lieferanten gehören.

Was eine Tabelle nicht sagt, ist, wie lange das Gemüse im Regal lag, ob es geschnitten wurde, wie viel Kochwasser Sie weggegossen haben und wie lange das Essen warm stand. Sorte, Anbau, Reifegrad und Erntezeitpunkt streuen ebenfalls. Der Tabellenwert beschreibt einen Durchschnitt. Der Gehalt Ihrer Portion kann darüber oder darunter liegen. Wer das im Hinterkopf behält, liest Zahlen nüchterner und überschätzt weder ein einzelnes Lebensmittel noch eine einzelne Zubereitungsregel.

Wofür der Körper Vitamin C braucht

Vitamin C wird unter anderem für den Aufbau von Kollagen benötigt, dem Eiweiß, das Haut, Sehnen, Blutgefäße und Zahnfleisch zusammenhält. Es wirkt außerdem als Antioxidans und verbessert die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Dieser Zusammenhang lässt sich in der Küche gut nutzen: Ein Linsengericht, zu dem frische Paprikastreifen gereicht werden, verbindet eine pflanzliche Eisenquelle mit einem Partner, der die Aufnahme begünstigt.

Historisch wurde die Bedeutung des Vitamins an seinem Fehlen sichtbar. Auf langen Seereisen ohne frisches Obst und Gemüse erkrankten Besatzungen an Skorbut, der sich in Zahnfleischbluten, schlecht heilenden Wunden und Schwäche äußerte. Dass frische pflanzliche Kost die Krankheit verhinderte, war lange bekannt, bevor die Substanz selbst identifiziert wurde. Heute ist ein ausgeprägter Mangel in einer abwechslungsreichen Ernährung selten, kann aber bei sehr einseitiger Kost auftreten.

Schneiden, garen und servieren

Aus alledem folgt keine strenge Vorschrift, sondern ein Gespür für Zeit, Wasser und Hitze. Schneiden Sie empfindliches Gemüse möglichst spät und eher grob. Garen Sie Kartoffeln in der Schale oder im Dampf, wenn Ihnen das Vitamin wichtig ist, und kochen Sie sie dann nicht länger als nötig. Wenn ein Gemüse im Wasser gegart wird, das Sie ohnehin als Suppe oder Sauce weiterverwenden, geht das ausgelaugte Vitamin nicht verloren, sondern bleibt im Essen. Und schließlich dürfen Sie beruhigt sein: Niemand muss auf geröstete Paprika oder cremiges Kartoffelpüree verzichten. Eine Ernährung, in der ein Teil des Gemüses roh und ein Teil schonend gegart auf den Tisch kommt, deckt beides ab, den Genuss und die Vielfalt der Inhaltsstoffe.

Quellen zum Weiterlesen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Referenzwerte

National Institutes of Health – Fachinformation (Englisch)